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In unseren neuen Rubrik "Menschengefühl" präsentieren unsere beiden LyrikerInnen Emmy Huber und Moritz Tieman (EP) ihr lyrisches Talent und nehmen euch mit auf eine Reise in die Gedanken- und Gefühlwelt der unterschiedlichsten Menschen, ihren Alltag und ihre eigenen Welten - wir wünschen euch viel Spaß auf dieser Reise.

 

Gedichte von Moritz Tieman (EP)

Die Ranken klettern hoch hinaus,
windet sich zum Augenschmaus,
zeigt an sich den schönsten Blust*
weckt damit Frust und Lebenslust.

Ein Schlängeln hoch bis zum Erfolg,
so gerne hätt' ich das gewollt
so gerne hätt' ich das erlebt,
Doch ich seh, wie es mir anders ergeht:

Längst verwelkt die Traumbekleidung
längst getroffen die Entscheidung,
längst zerstört der Lebenstraum,
so schnell vergangen, man glaubt es kaum.

So schaue ich voll Sehnsucht, Neid,
auf das hübsche Blumenkleid,
das Gedeihen der Herzbukette**,
Ach wie gerne ich das hätte

Stattdessen schau ich traurig drein,
verloren, karg und ganz allein,
hänge lieblos an der Wand
nicht im Mittelpunkt, nur am Rand

Gedanken des Autors: In diesem Gedicht geht es um Eifersucht und Selbstzweifel. Eine andere Person, hier symbolisiert als Pflanze oder Blume, scheint prachtvoller und angesehener zu sein, weswegen das lyrische Ich (eine andere, nicht so schöne Pflanze) voller Neid aus dem unbedeutenden Hintergrund auf ihn/sie hinaufschaut.

 

Ein Herz in einem Körper
lieblos schwer und unberührt
So rücksichtslos wie dessen Wörter
verwahrlost wer dies Leben führt:

Ein Leben voller Hass und Neid
ausgestrahlt von deinem Tun
winselt vor der Einsamkeit
doch schafft es nicht sich auszuruhen

Wenn du ständig äußerst deine Schmerzen
andere sie spüren lässt
Sie brennen lässt wie weiße Kerzen
und sie abgeglüht im Herz verlässt

Noch ist es Zeit dich aufzubäumen
Dein Leben endlich gut zu wenden
All Böses Blut aus dem Weg zu räumen
Um nicht als gehasster Mensch zu enden

Gedanken des Autors: Hier wird offensichtlich, dass eine Person, die allen Anschein nach verletzt worden ist, den daraus resultierten Hass an seinen Mitmenschen auslässt. Das Gedicht ist dabei ein Appell an diese Person, dies nicht zu tun sondern lieber die schönen Seiten des Lebens zu sehen, indem sie alte Schmerzen ablegt

 

Gedichte von Emmy Huber (EP)

Vor der Nacht, gib Acht

Wälder, schwärzer als die Nacht,
Mondlichtpaläste vergangener Pracht,
Schatten voller Niedertracht,
Es heult der Wind,
Gar säuselt er sacht:
"Komm mit, mein Kind,
Komm mit in die Nacht!"
Und zerrt mich fort, mit solch einer Macht,
An den finstersten Ort,
In der finstersten Schacht
Und sperrt mich dort ein,
Auf dass niemals mehr jemand an mich gedacht.
Nie war die Nacht
So hohl, so schwarz und so leer.
Die Stille nimmt Gestalt an,
Erdrückt mich fast.
Hallo Dunkelheit,
Ich wehre mich nicht mehr.
~elh

 

 

Garten der grünen Träume

So wandle ich im Garten der Träume,
Verwildert, frei und endlos schön.
Tausend Jahre alt, die Bäume,
Doch so stark und doch so grün.

Gewaltig wie ein mächt'ger Riese
Ragt ein Baum über mir auf
Und im Schattenlicht der Wiese
Lass ich Träumen freien Lauf.

Ich bin der Fluss, ich bin der Wind,
Streiche durch das weiche Gras,
Lache leicht, gar wie ein Kind,
Alle Sorgen ich vergaß.

Die Seele hier zur Ruhe kommt,
Der Geist klärt sich, lernt zu warten,
Das Herz ein leises Liedchen summt,
Ich tanze durch der Träume Garten.
~elh